Vielleicht - Gedanken Ihres Pfarrers vor Weihnachten

„Vielleicht" setzen wir uns durch die Entscheidung, die Gottesdienste ausfallen zu lassen, dem Vorwurf aus, Angsthasen zu sein oder - was noch schlimmer wäre - das Bedürfnis der Menschen auf Zuspruch der Hoffnung in dieser besonderen Zeit nicht ernst zu nehmen - oder wir werden „vielleicht“ zu den Helden, die durch „Nichtstun“ mitgeholfen haben, die Pandemie einzudämmen. Darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Nachdem nicht auszuschließen ist, dass eine veränderte Form des Virus auch bei uns auftreten kann, hat sich der Kirchenvorstand zu dieser Entscheidung - hoffentlich noch rechtzeitig - durchgerungen. Lange bestand in der Kirche die Hoffnung, dass das getroffen Hygienekonzept ausreichen könnte, eine Ansteckung auszuschließen - ohne wahrzunehmen, dass der Staat mit dem harten Lockdown das niemandem zutraut. So legt er z.B. auch fest, dass bei Beerdigungen lediglich 25 Personen aus dem engsten Familienkreis zusammenkommen sollen. Die Erfahrungen aus der ersten Welle haben auch gezeigt, dass es gerade größere Veranstaltungen waren, die zu Hotspots in einzelnen Regionen geführt haben.
Vielleicht wäre bei den Gottesdiensten, wenn wir sie doch gehalten hätten, nichts passiert - nur hätte dies - wenn doch - furchtbare Konsequenzen - zu einem Zeitpunkt, an dem mit dem Beginn der Impfungen die Hoffnung besteht, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Dabei ziehen wir uns nicht zurück, sondern sind nur vorsichtig.

Auf unserer Homepage gibt es einen Weihnachtsgottesdienst zum Mitfeiern, der in diesem Jahr Familien, die sich nicht treffen können, dann doch über hunderte von Kilometern zusammenbringt. Noch nie konnte Kirche durch neue Techniken so präsent sein wie in diesen Zeiten.
Auch weiterhin gibt es ein analoges Angebot. An der Christuskirche gibt es den Weihnachtsweg. Die Kirche wird jetzt tagsüber offen sein. Ein Christbaum und die Krippenausstellung laden ein, für sich das Fest zu begehen. Die ausgefallene Predigt gibt es zum Nachlesen.
Zum Jahreswechsel soll ein weiterer Gottesdienst aufgenommen werden. Ansonsten fallen die Gottesdienste an den Feiertagen und zum Jahreswechsel aus. Ob die Sonntagsgottesdienste weiter gehalten werden können, hängt von der Entwicklung der Inzidenzzahlen ab. Es wird sich ein Weg finden. Denn meine Lieblingsbitte in der ersten Welle, Gott möge den Wissenschaftlern gute Pläne und Ideen geben, dass schnell ein Impfstoff gefunden wird, hat sich - wie durch ein Wunder - tatsächlich erfüllt.

So bin ich sicher, dass wir mit Kraft, Liebe und Besonnenheit unter Gottes Schutz durch diese Zeit kommen. Der Gottesdienst, den wir am Heiligen Abend auf der Wiese hinter der Christuskirche feiern wollten, wird - wenn es an der Zeit ist - nachgeholt. Bis dahin versuchen wir, das Friedenslicht von Bethlehem brennen zu lassen - es soll uns erinnern: Gott kommt.

Hans-Friedrich Schäfer